Jahresbericht 2006

    1. Nach langjährigen Vorarbeiten konnte die Stiftung CONVIVENZA am 11. Mai 2006 in Disentis in einer festlichen Sitzung gegründet werden. Der Spiritus Rector der Stiftung, Prof. Dr. Daniel Thürer, erläuterte in seinem einleitenden Referat die Motive und Ziele der Stiftung und dankte den beiden Kantonen Graubünden und Zürich sowie den privaten Spendern für die Finanzierung des Stiftungskapitals. Der Präsident des Stiftungsrates, Botschafter Johann Bucher, ordnete die geplante Tätigkeit in die Tradition der „Guten Dienste“ unseres Landes ein. CONVIVENZA will, wie er betonte, nicht schweizerische Lösungen als „Rezepte“ exportieren, sondern einen Gesprächsrahmen bieten, in dem sich die Verständigungschancen zwischen konfligierenden Mehrheiten und Minderheiten verbessern. Zudem soll das Zentrum  auch die theoretische Arbeit in der Entwicklung weiterer Formen und Verfahren des Minderheitenschutzes vorantreiben und sich für die Respektierung der Minderheitenrechte einsetzen. Als Höhepunkt der Veranstaltung hielt der Vertreter Österreichs bei der UNO in Genf, Botschafter Dr. Wolfgang Petritsch, einen Vortrag über die problematische Lage der Minderheiten auf der Balkanhalbinsel, aus dem sich mögliche Tätigkeitsfelder für die Stiftung ergaben. Die Gründungsversammlung verzeichnete ein lebhaftes Interesse beim Publikum und fand ein erfreuliches Echo in den Medien.

    2. Am 18. und 19. Mai 2006 organisierte Herr Romedi Arquint in Laax ein Seminar für eine Expertengruppe aus dem Kosovo, das bereits unter der Schirmherrschaft von CONVIVENZA durchgeführt werden konnte. Das Interesse der Gäste an den rechtlich/politischen Regelungen im Kanton Graubünden sowie an der lebendigen Kultur des gegenseitigen Respekts war groß. Dieses Seminar erbrachte Erfahrungen und Einsichten, die für die weitere Tätigkeit von CONVIVENZA fruchtbar gemacht werden können.

    3. Ansonsten konzentrierte sich der Stiftungsrat im abgelaufenen Jahr noch stark auf die Positionierung der Stiftung und auf eine effiziente Organisation seiner eigenen Arbeit. Dies waren jedenfalls die Hauptanliegen der beiden Stiftungsratssitzungen vom 8. Dezember 2006 und vom 19. März 2007. Ausführlich diskutiert wurden dort aber auch weitere mögliche Projekte (Aromunen, Kärntner-Slowenen, ungarische Minderheiten in Ungarns Nachbar-schaft, Krim-Tataren, Minoriada), von denen leider nur das Projekt für die Aromunen schon 2007 realisiert werden kann. Dem Prozess der Projektfindung solle deshalb am 14. Juni 2007 eine eigene Sitzung gewidmet sein.